Read Sebastian Online

Authors: Anne Bishop

Tags: #Fiction, #Fantasy, #General

Sebastian

BOOK: Sebastian
7.21Mb size Format: txt, pdf, ePub
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Inhaltsverzeichnis
 
 
 
Das Buch
Die Welt Ephemera ist in ständigem Wandel begriffen, und ihre Veränderungen folgen stets den Wünschen und Sehnsüchten ihrer Bewohner. Nur wenige mächtige Landschafferinnen sind in der Lage, den Wandel zu kontrollieren und eigene Länder zu formen. Die mächtigste von ihnen, Belladonna, hat aus den dunklen Begierden der Menschen den Sündenpfuhl erschaffen - einen Ort, an dem es nie Tag wird, und der für jedes Laster Erfüllung bietet.
Hier lebt der Inkubus Sebastian und lässt sich vom dekadenten Leben treiben, bis eines Tages das verführerische Mädchen Lynnea im Pfuhl auftaucht. Lynnea berichtet von einer finsteren Gefahr, die ganz Ephemera bedroht. Als überdies noch ein geheimnisvoller Mord geschieht, wird Sebastian vor eine Entscheidung gestellt: Um den Pfuhl zu retten, muss er seine Macht als Halbdämon annehmen. Doch das bedeutet auch, dass seine aufkeimende Liebe zu Lynnea zum Scheitern verurteilt ist...
 
Die dunklen Welten:
Erstes Buch:
SEBASTIAN
Zweites Buch:
BELLADONNA
Die schwarzen Juwelen:
Erstes Buch:
DUNKELHEIT
Zweites Buch:
DÄMMERUNG
Drittes Buch:
SCHATTEN
Viertes Buch:
ZWIELICHT
Fünftes Buch:
FINSTERNIS
Die Autorin
Die New Yorkerin Anne Bishop, seit ihrer Kindheit von Fantasy-Geschichten begeistert, veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten und Romane, bevor ihr mit dem preisgekrönten Bestseller »Dunkelheit« der internationale Durchbruch gelang. Ihre ebenso ungewöhnliche wie faszinierende Saga
Die schwarzen Juwelen
zählt zu den rfolgreichsten Werken moderner Fantasy.
 
Mehr Informationen zu Autorin und Werk unter:
www.annebishop.com
Titel der amerikanischen Originalausgabe
SEBASTIAN
Deutsche Übersetzung von Kristina Euler
Für
Pat York,
die in andere Landschaften hinüberging.
 
Ich bin froh, dass du Teil meines Lebens warst.
Es ist lange her, dass, zu einer Zeit,
die aus der Erinnerung verschwunden ist,
die Tränen einer Mutter die Brücke schlugen,
die seit ehedem die Macht der lebendigen,
sich stets wandelnden Welt mit dem menschlichen
Herzen verbindet.
 
- Mythos
Kapitel Eins
Gegenwart
Sebastian stand an der Anrichte, schloss die Augen und atmete langsam und tief ein, um den Duft der frisch gemahlenen Kaffeebohnen auszukosten. Besser als eine Frau. Zumindest eine sinnlichere Erfahrung als die letzten Zwei, mit denen er zusammen gewesen war.
Wenn ein Inkubus sich beim Sex langweilte, war es an der Zeit eine Pause einzulegen - oder über eine andere Art der Arbeit nachzudenken.
Er schob den Gedanken in jene Ecke seines Geistes, in die er schon so viele unangenehme Erinnerungen gestopft hatte, und konzentrierte sich wieder auf die Anweisungen zum Aufbrühen von Kaffee.
Wie es wohl wäre, im ersten Licht der Morgendämmerung aufzustehen und in die Küche zu gehen, um Kaffee zu mahlen, während jemand, der einem wirklich etwas bedeutete, sich in die Kissen kuschelte und darauf wartete, mit einer Liebkosung und einem Kuss geweckt zu werden - und mit einer Tasse frisch gebrühtem Kaffee? Wie es wohl wäre, draußen zu stehen und mit einer Tasse in der Hand den Tag erwachen zu sehen?
Sebastian schüttelte den Kopf. Warum sich selbst Salz in die Wunde reiben, indem man über Dinge nachdachte, die nicht sein konnten? Er lebte im Sündenpfuhl, der aus ein paar überfüllten Wohnblocks und gepflasterten Straßen bestand - ein Ort, der höchstwahrscheinlich einst ein zwielichtiger Teil irgendeiner großen Stadt gewesen war, nichts weiter als ein dunkler Fleck in einer Landschaft des Tageslichts. Doch dann hatte eine Landschafferin
die Welt verändert, indem sie diesen Straßenzug zu einer eigenen Landschaft werden ließ, und dies hatte eine andere Lebensart auf den Straßen geweckt, hatte die Tavernen, die Spielhöllen und Bordelle in Orte festlicher Sinnlichkeit verwandelt.
Aber der Pfuhl war mehr als ein Ort, an dem man menschliche Laster offen genoss, mehr als ein Ort, an dem Menschen, die nicht in die Landschaften des Tageslichts passten und Dämonen wie Inkuben und Sukkuben leben konnten. Er war das Zentrum einer Gruppe dunkler Landschaften, die einige der Dämonenrassen Ephemeras als ihr Eigen beanspruchten. Er war ein Ort, an dem Dämonen einkaufen oder in einer Taverne etwas trinken konnten, ohne angefeindet oder vertrieben zu werden, weil sie nicht menschlich waren.
Und ebenso war er ein Ort, der in der dunkleren Seite des menschlichen Herzens wurzelte, ein Ort, an dem die Sonne niemals aufging.
Als er in den Pfuhl kam, war er ein verbitterter Fünfzehnjähriger gewesen. Nachdem er es zwei Jahre zuvor geschafft hatte, der Kontrolle seines Vaters zu entkommen, war er in den Landschaften untergetaucht und hatte ums nackte Überleben gekämpft. Die dunklen menschlichen Landschaften waren sogar für einen Jungen, dessen Dämonennatur das menschliche Blut, das vielleicht noch in seinen Adern floss, überschattete, zu hoffnungslos und Furcht einflößend, aber die Menschen in den Landschaften des Tageslichts wollten nicht, dass etwas wie er unter ihnen lebte und hatten ihn aus einem Dorf nach dem anderen vertrieben, sobald sie herausfanden, dass er ein Inkubus war - und der Hunger nach den Gefühlen, die beim Sex entstanden, war etwas, das sich nicht lange unterdrücken oder verstecken ließ.
Und so hatte er sich den Pfuhl, als er ihn gefunden, und die dunkle, nervöse, sinnliche Stimmung dieses Ortes gespürt hatte, mit ganzem Herzen zu eigen gemacht.
Endlich hatte er einen Platz gefunden, an dem es ihn nicht zum Außenseiter machte, ein Inkubus zu sein, an dem die nie endende Nacht zu dem passte, wer und was er war - einen Platz, an dem er dazugehören konnte.
Und er gehörte noch immer hier her. Der Pfuhl war sein Zuhause. Aber jetzt, als Mann, der gerade dreißig geworden war …
Ich bin der Nacht so überdrüssig.
Eine plötzliche Sehnsucht nach
irgendetwas
durchfuhr ihn, erfüllte sein Herz mit Schmerzen und ihn mit einer Not und einem Verlangen von solcher Stärke, dass es ihn taumeln ließ. Er stützte sich auf die Anrichte und wartete darauf, dass das Gefühl vorbeiging. Es ging immer vorbei.
Aber die Sehnsucht war vorher noch nie so stark gewesen und hatte ihn nie so vollständig erfasst. Egal. Solche Gefühle kamen und gingen - und veränderten nichts.
Angewidert von sich selbst, weil er nicht mit dem zufrieden war, was er hatte, nahm er eine Tasse vom Holztisch - und ließ sie beinahe fallen, als jemand an die Tür seines kleinen Hauses klopfte. Er brachte nie jemanden mit nach Hause, lud nie jemanden ein. Die einzigen zwei Personen, die sein Bedürfnis nach Privatsphäre missachteten, waren seine menschliche Cousine und ihr Bruder, Glorianna und Lee, und keiner von beiden würde so zögerlich irgendwo anklopfen.
Er würde es einfach ignorieren, genau das würde er tun. Er würde es ignorieren und wer auch immer - was auch immer - auf der anderen Seite der Tür stand, würde wieder gehen. Die Tür öffnete sich knarrend. Sebastian schlug das Herz bis zum Hals, als er die Tasse vorsichtig, um kein Geräusch zu machen, auf die Anrichte stellte. Genauso leise nahm er das größte Messer aus dem Messerblock, das er besaß. Er würde vielleicht nicht gewinnen, aber er würde nicht kampflos untergehen.
»Sebastian?«, rief eine Stimme. »Sebastian? Bist du da?«
Er kannte diese Stimme, zögerte aber immer noch. Dann fluchte er leise und ließ das Messer zurück in den Schlitz gleiten. Im Pfuhl gab es nur wenige Dinge, die man nicht kaufen konnte, aber Vertrauen war eines davon.
Er trat in den Durchgang, der die Küche vom Wohnzimmer trennte, spähte in den Raum und musterte seinen Besucher.
Der andere Inkubus stand auf der Schwelle und platzte beinah vor Nervosität. Und trotzdem leuchteten seine Augen vor Neugier, als er die einfachen Möbel und die gerahmten Zeichnungen an der Wand betrachtete.
»Was willst du, Teaser?«, fragte Sebastian.
Falls Teaser den rauen Ton in Sebastians Stimme bemerkte, ging er nicht darauf ein und sprang in den Raum. Dann hielt er inne, drehte sich herum und schloss die Haustür, bevor er mit großen Schritten - seine prahlerische Gangart, passte nicht recht zu seinem jungenhaft guten Aussehen - auf Sebastian zuschritt.
Frauen ließen sich oft dahingehend täuschen, dass sie annahmen, er benehme sich auch so, wie er aussah. Im Falle von Teaser war das manchmal ein gravierender Fehler.
Als Jugendliche waren sie gemeinsam durch die Stra ßen des Pfuhls gezogen - der blonde, blauäugige Teaser passte genau in das Bild eines Jungen, der auf ein wenig unanständigen Spaß aus war, während der gut aussehende Sebastian mit seinen schwarzen Haaren und klaren grünen Augen den reizvollen Hauch der Gefahr verströmte. Gemeinsam hatten sie ihre Verführungsspielchen gespielt, indem sie Frauen Sex boten, die aus den Landschaften des Tageslichts in den Pfuhl kamen, oder indem sie die Fähigkeit der Inkuben nutzten, sich im Zwielicht des Halbschlafs mit einem anderen Geist zu verbinden und sich an den Gefühlen labten, die sie als Fantasie-Liebhaber hervorriefen. Unglückliche Ehefrauen.
Alberne Mädchen, die sich nach der Romantik eines mysteriösen Verehrers sehnten. Einsame Frauen, die sich nach der Wärme eines Liebhabers verzehrten, selbst wenn dieser Liebhaber sie nur in ihren Träumen besuchte. Für die Inkuben waren sie alle Beute.
Fünf Jahre lang hatten er und Teaser benachbarte Zimmer in einem teuren Bordell gemietet und waren gemeinsam durch den Pfuhl gezogen. Aber als Sebastian zwanzig wurde, konnte er das wachsende Verlangen nach etwas, das weiter ging, als der Pfuhl und die Sexspielchen, nicht länger ignorieren und kehrte den bunten Lichtern und dunklen Gassen den Rücken. Er stieß auf eine unbefestigte Straße, die wenige Schritte hinter dem Ende der Hauptstraße des Pfuhls begann - eine Straße, die, davon war er überzeugt, dort vorher noch nicht gewesen war. Er folgte ihr, nicht sicher, ob er lediglich einen Spaziergang machte, oder wirklich den einzigen Ort verließ, an dem er sich je zu Hause gefühlt hatte.
So fand er das zweistöckige Cottage. Es sah nicht so aus, aus gehörte es in eine Landschaft wie den Pfuhl, aber es wäre nicht da gewesen, wenn es nicht dorthin gehört hätte. So liefen die Dinge in Ephemera.
Er ging hinein, voller Sorge auf denjenigen zu treffen, der das Haus für sich beanspruchte. Aber es war unbewohnt. Die Hälfte der Zimmer stand leer, aber in den anderen Räumen standen wahllos genügend Möbel herum, um Schlafzimmer, Wohnraum und Küche gemütlich einzurichten. Er fand sowohl Bettwäsche und Handtücher als auch alles, was er brauchte, um in der Küche eine einfache Mahlzeit zuzubereiten und zu essen. Eine Stunde lang durchstöberte er das Haus - und stellte dann fest, dass sich etwas in ihm entspannt hatte, so als hätte er seit Monaten zum ersten Mal tief eingeatmet.
In einem Schrank in der Küche fand er Reinigungsmittel und wischte Staub, putzte, fegte und scheuerte, bis das Cottage sauber war und er die Möbel nach seinem
Geschmack arrangiert hatte. Dann kehrte er in den Pfuhl zurück, holte fast alles, was er besaß aus dem Zimmer, das er im Bordell angemietet hatte und zog in das Cottage. Eine Woche später, als er von einem Streifzug durch die Straßen des Pfuhls zurückkehrte, entdeckte er, dass jemand eine Mondblume neben die Hintertür des Hauses gepflanzt hatte. Da wurde ihm klar, dass dieser Ort darauf gewartet hatte, dass er ihn fand, dass er ihn suchte.
Sie
hätte den Moment erkannt, in dem sich etwas in ihm so verändert hatte, dass es zu dem Cottage passte, und die Mondblume war ihre Art, ihn willkommen zu heißen.
In Ephemera gab es nur wenige Geheimnisse des Herzens. Und nichts entging Glorianna Belladonna.
BOOK: Sebastian
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